Motivation am Arbeitsplatz

Macht ihr Job noch Spaß?

Die Nordwestzeitung in Oldenburg hat mich ausführlich zu dem Thema Motivation für Mitarbeiter befragt. Erschienen ist der Artikel mit Ausschnitten des Interviews jetzt in der Fachzeitung "Die Wirtschaft/ Nr 20"

Hier gibt es nochmal das ganze Interview:

 

NWZ:   Laut aktueller Umfragen sind viele Beschäftigte in Deutschland im Job demotiviert und verrichten meist nur noch „Dienst nach Vorschrift“. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

 

Schirin Khorram-Brüning:   Es gibt wichtige Faktoren für eine emotionale Bindung und Motivation im Beruf, wie Wertschätzung, Zugehörigkeit, Vertrauen und Eigenverantwortung. Wenn einer oder sogar mehrere dieser Faktoren fehlen bzw. gestört sind, dann ist irgendwann „Die Luft raus“ und es beginnt der Dienst nach Vorschrift.


NWZ:  Gibt es eine bestimmte Altersgruppe, die besonders betroffen ist?


Khorram-Brüning:   Nehmen wir als Beispiel einen sogenannten Kreativjob. Ein Berufsanfänger ist stolz, einen so begehrten Job ergattert zu haben, er verbringt viel Zeit im Büro, ist engagiert und macht bereitwillig Überstunden. Das Gehalt ist erst einmal zweitrangig, es geht um Referenzen, um die Karriere.

Ein älterer Mitarbeiter, denkt da schon anders, er hat vielleicht die Familie im Hintergrund, hat weniger Zeit für Überstunden und möchte mehr Sicherheit. Damit will ich sagen , dass die Erwartungen an einen Job sich im Laufe des Lebens verändern.

Natürlich bedeutet es für einen Unternehmer eine größere Herausforderung einen qualifizierten
Mitarbeiter, der Generation Y an sein Unternehmen zu binden. Ein großer Teil dieser Generation sucht eher nach Sinnhaftigkeit und persönlicher Entfaltung, als nach Status und Karriere. Das kann der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten sein oder Sabbaticals. Aber bei all den demografischen Erhebungen, bei allen
Klassifizierungen von Menschen und Generationen in Gruppen und Trends, sollte nicht vergessen werden, dass unsere grundsätzlichen Bedürfnisse gleich bleiben. Wie in allen Generationen wird es auch in dieser, Menschen mit Motivationsproblemen geben. Letztlich gilt es dann, individuelle Lösungswege zu finden.


NWZ:  Welche Formen der Demotivation gibt es (chronisch, wetterabhängig, etc.)?

 

Khorram-Brüning:   Es gibt die Lustlosigkeit, die mit Langeweile oder einer Unterforderung zusammenhängt, es gibt die saisonal abhängige Depression...mit dem Herbst und Winter kommt die dunkle Jahreszeit und viele Menschen leiden unter dem sogenannten Winterblues. Beruflicher oder privater Stress können zu depressiven Verstimmungen bis hin zum Burnout führen und nicht zuletzt haben auch körperlich bedingte Störungen, wie z.B. ein
Mineralstoffmangel oder ernsthafte Erkrankungen einen Einfluss.


NWZ:   Woran erkennen Mitarbeiter, dass es Zeit ist, einen anderen Weg einzuschlagen / den Job zu wechseln?

 

Khorram-Brüning:   Es fängt damit an, dass ich mich innerlich von meinem Job verabschiede. Wenn ich mich über einen längeren Zeitraum unglücklich zur Arbeit quäle, mich nur noch auf das Wochenende freue und vielleicht sogar unter psychosomatischen Beschwerden leide bzw. oft krank bin, sollte ich mich, vielleicht auch mit professioneller Unterstützung neu orientieren.

Professionelle Hilfe bzw. Unterstützung kann ein gut ausgebildeter Coach bieten. In meiner Praxis
erarbeite ich, gemeinsam mit meinen Klienten in einem übersichtlichen Zeitrahmen konkrete Lösungswege. Dies kann die Stärkung des Selbstwertes, den Wunsch nach Veränderung oder eine Konfliktlösung
beinhalten - beruflich oder privat. Als Wegbegleiter kommen bewährte Methoden aus meinem „Werkzeugkoffer“ zum Einsatz. Das fängt mit der Zieldefinition an, wir finden heraus wo der Knoten sitzt bzw. wo ich mir selbst im Weg stehe. Bedürfnisse und Ressourcen werden ausgelotet, Methoden zur Blockaden- und Konfliktlösung kommen zum Einsatz. Als Hilfe zur Selbsthilfe zeige ich u.a. Techniken zur Entspannung, zum Kraft schöpfen, die auch im Alltag leicht umsetzbar sind. Wenn der Klient jedoch psychische Störungen mit Krankheitswert zeigt, wie z.B bei einer Depression, Angst-oder Zwangsstörung, ist der Psychotherapeut oder Psychater bzw. Arzt gefragt.

NWZ:  Wie können Mitarbeiter sich für den Beruf neu begeistern (einige Tipps)?


Khorram-Brüning:   Zuerst sollte ich mir meine Qualitäten bewusst machen, welche davon kann ich in meinem Beruf
verwirklichen? Sehe ich einen Sinn in dem was ich mache? Für ein gutes Betriebsklima kann jeder einzelne Mitarbeiter sorgen, freundlich, aufmerksam und offen den Kollegen und Kunden begegnen. Vielleicht kann auch ein kleines Morgenritual eingeführt werden. Wenn ich dennoch das Gefühl habe auf der Stelle zu treten, sollte ich der Firma eine Chance geben und das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen.

NWZ:  Was können Unternehmer tun um ihre Mitarbeiter zu motivieren?


Khorram-Brüning: Die Grundlage jeder guten Beziehung, ob in einer  Familie oder einer Firma sind drei Faktoren:
Ich höre Dir zu, ich nehme Dich ernst, ich vertraue Dir.

 

NWZ:   Welche Vorteile haben motivierte Mitarbeiter für ein Unternehmen?

 

Khorram-Brüning:  Aus  Studien geht hervor, dass motivierte Mitarbeiter mehr leisten, seltener krank werden und  für ein besseres Betriebsklima sorgen und letztlich auch für ein stärkeres Unternehmen.

NWZ:   Welche Vorteile hat es für den Mitarbeiter, motiviert im Beruf zu sein?


Khorram-Brüning:   Wenn wir bedenken, wieviel Zeit unseres Lebens wir im Beruf verbringen, bekommen wir durch einen Job der uns ausfüllt und sogar Spass macht, ein großes Stück Lebensqualität. Es gibt ein passendes Zitat von Konfuzius, das bei uns in der Praxis hängt: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in
Ein Unternehmer, der Interesse an seinen Mitarbeitern zeigt, der ihre Arbeit wertschätzt und sie ermutigt, bietet eine solide Grundlage. Ein Unternehmer sollte sich nicht hinter seiner Stellung verstecken, dazu gehört auch, eine gut funktionierende Kommunikation zu schaffen z.B. durch Meetings, in denen alle die Woche reflektieren, Vorschläge einbringen oder Kritik anbringen dürfen und gemeinsam neue Ziele definieren.